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Lehre
Gathas
von Annabelle Zinser
Die fünf Achtsamkeitsübungen
Der Friedensvertrag
Der Neuanfang
Die Übung der Achtsamkeit, der Konzentration und des tiefen Verstehens
ist meine zentrale Übung, die mir selbst viel Freude bringt und die
ich Anderen gerne weitergeben möchte.
Einatmend weiß ich, dass ich einatme
Ausatmend weiß ich, dass ich ausatme.....
Bei dieser Übung fangen wir mit ganz einfachen Dingen an, die aber ständig
geübt werden müssen, weil sich unser Geist normalerweise in seinen unendlichen
Gedankenzügen verliert. Wir halten immer wieder inne und spüren unseren
ganzen Körper, alle Empfindungen mit der ganzen Länge der Ein - und Ausatmung.
Beim Gemüseputzen in der Küche, beim Waschbecken putzen im Bad oder beim
die Treppe hinaufgehen halten wir unseren Geist bei dem konkreten Vorgang,
der gerade statt findet. Das bedeutet: Wir spüren wie wir das Messer halten,
wie wir die Karotten schneiden, wir spüren wie wir mit dem Schwämmchen
das Becken auswischen, wir spüren unsere Füße, während wir die Treppe
hoch steigen......
Dies macht das Gemüseputzen, Becken auswischen, Treppe hochsteigen zu
einer Meditation, denn wir sind jetzt mit vollem Bewusstsein dabei und
werden immer genauer in unserem Gegenwärtig-Sein.
Wenn wir den Geist so bei dem konkreten körperlichen Vorgang von Augenblick
zu Augenblick halten, fängt er an, sich darin zu sammeln, und die üblichen
gedanklichen Aktivitäten kommen durch die Konzentration zur Ruhe. Diese
Konzentration sollte nicht krampfhaft sein, sondern mit Leichtigkeit einhergehen,
und dies geschieht, wenn wir uns während des konkreten Vorganges unseres
Atems immer wieder bewusst sind:
"Mit der Einatmung spüre ich, wie ich das Messer in der Hand halte,
Mit der Ausatmung spüre ich, wie ich die Karotte schneide."
Ich werde mir dann auch bewusst, dass diese Arbeit sinnvoll ist für uns
alle, weil sich alle wohler fühlen, wenn sie ein sauberes Waschbecken
vorfinden oder wenn das Gemüse in Stücke geschnitten ist für unser Essen.
Durch diese Konzentration auf die körperlichen Empfindungen während des
konkreten Vorganges, der gerade stattfindet, entsteht Freude im Geist.
Er wird offen und weich.
Unser Geist wird durch die Sammlung in den körperlichen Empfindungen aus
seinen unendlichen Gedankenzügen herausgeholt und verweilt immer mehr
im gegenwärtigen Augenblick.
Diese Gedanken sind häufig negativ, indem sie sich als Schuldbewusstsein
in Bezug auf die Vergangenheit oder als Ängste und Sorgen in Bezug auf
die Zukunft ausdrücken. Wenn der Geist wirklich in den körperlichen Empfindungen,
im Spüren des Atems verankert ist, entspannen sich Körper und Geist immer
mehr. (Wir könnten die Konzentration auch in Bezug auf das Hören, Riechen,
Schmecken, Sehen praktizieren)
Diese Freude des konzentrierten Geistes nährt uns. Dadurch brauchen wir
immer weniger von außen, um uns wohl zu fühlen; wir finden zu dem Frieden,
der schon immer in uns ist zurück.
Alle Tätigkeiten, die wir achtsam ausführen, fangen an, uns immer mehr
Freude zu machen. Unser Leben bekommt Frische, Lebendigkeit und Sinn,
und wir werden wieder zu Kindern, die alles neu entdecken und erforschen.
Wir hören auf, in unserem Leben dauernd hinter etwas herzurennen, von
dem wir denken, das bringt uns das Glück...
Wir hören auf, dauernd vor etwas auf der Flucht zu sein, was nicht so
bequem und angenehm ist.
Wir erkennen und akzeptieren immer mehr die Vergänglichkeit aller Erscheinungsformen
und leiden nicht mehr so sehr darunter, weil wir uns auch bewusst werden,
wie viel Kostbarkeiten diese Vergänglichkeit uns bringt. Sie ermöglicht,
dass aus dem Karottensamen große Karotten wachsen, die uns nähren. Sie
ermöglicht, dass wir als Babys sprechen, krabbeln, stehen und gehen lernen
und dann allmählich erwachsen werden und uns um uns selbst und andere
Menschen kümmern können.
Einen bewussten Atemzug in seiner Vergänglichkeit zu spüren, wie er durch
den ganzen Körper strömt und sich in allen Zellen niederlässt ist jetzt
ein Wunder für uns, ein Luxus, den wir uns erlauben und den wir genießen.
Wir können dann sagen:
"Ich bin angekommen. Ich bin zuhause: Im Hier und im
Jetzt.
Ich bin fest, ich bin frei."
Die
Freiheit bezieht sich darauf, dass wir stabiler werden und uns nicht mehr
so sehr in unseren Gefühlen verwickeln. Wir lernen immer mehr, unseren
schwierigen Gefühlen, die uns und unsere Umgebung leiden lassen, mit Mitgefühl
zu begegnen und sie dadurch umzuwandeln.
Und wir lernen immer mehr, unsere wunderbaren geistigen Haltungen, die
in unserem Speicherbewusstsein ruhen, zu kultivieren. Damit öffnen wir
unser Herz für uns selbst und für andere Wesen, und unser Leben und das
unserer Umgebung wird gefestigter, liebevoller, freudvoller und erfüllter.
Achtsamkeit, Konzentration und tiefes Verstehen sind Bestandteile des
Edlen Achtfachen Pfades, den der Buddha als den Weg heraus aus dem Leiden,
als einen Weg zum Glück beschrieben hat.
Die fünf Übungen in der Ethik, die ein weiterer Bestandteil des 8-fachen
Pfades sind, dienen dazu, unser Leben friedvoller zu gestalten.
Sie sind eine sehr praktische Übung im Nicht-Verletzen und in der Entwicklung
von Güte und Mitgefühl gegenüber anderen Wesen, und diese Übung bringt
uns selbst viel Stabilität und inneren und äußeren Frieden.
Andere fühlen sich wohl mit uns, weil sie sich durch unser Nicht-Verletzen
- was den Körper betrifft, das Eigentum, die Rede, die Sexualität, das
nicht Einnehmen von Substanzen, die unseren Geist verwirren - sicher und
geborgen fühlen können.
Wenn sie mit unserer Geduld, Großzügigkeit und Herzensweite in Kontakt
kommen, kann Freude in ihrem eigenen Herzen entstehen.
Die Übung des Nicht-Verletzens anderer Wesen drückt auch unsere Bewusstheit
aus, dass wir kein abgetrenntes Selbst sind. Wir verstehen, dass wir alle
voneinander abhängig und miteinander verwoben sind. Wir verstehen auch,
dass wenn wir anderen schaden, sich dies auf irgendeine Art und Weise
wieder negativ auf uns auswirken wird.
Gathas von Annabelle Zinser
Die
Samen der Freude und des Gleichmuts wässern
Nach einem langen geschäftigen Tag
gehe ich mit meinem kleinen Hund
zu einem späten Abendspaziergang hinaus
Mit jedem Schritt wächst meine Zuversicht.
Ich schaue hinauf zu dem dunkelblauen Himmel,
an dem die weißen Wolken versuchen,
mit dem Vollmond Versteck zu spielen,
aber der scheint einfach nur
und scheint
und scheint
Ich wünsche mir, dass alle Wesen
die Schönheit dieser Nacht genießen können
Die Tür aufschließen
Während ich den Schlüssel
im Türschloss umdrehe
Wünsche ich, dass alle Wesen,
heute sicher und beschützt sein mögen
Rauchschwaden ziehen in den weiten Himmel
Während ich dem Zug der Rauchschwaden
aus dem Schornstein nachschaue
kommen alle meine Gedanken zur Ruhe
und lösen sich in der unendlichen Weite meines Geistes auf
Der Raureif
Der Raureif umhüllt alle Gräser und Steine
mit einem leichten, weißen Kleid
Der achtsame Geist taucht alle schwierigen Gedanken und Gefühle
In den weiten Raum der reinen Beobachtung
Die Kirchenglocken
Die Kirchenglocken von gegenüber rufen schon wieder.
Wohin können wir gehen?
Im reinen Land, wo die zehntausend Freuden und Schmerzen eins sind
Gibt es immer ein Plätzchen für uns
Beim Bügeln
Das Bügeleisen gleitet anmutig über die faltige Tischdecke
Und bringt ihre Schönheit erst richtig zum Scheinen
Ein Augenblick der Achtsamkeit und der Konzentration
Glättet alle unruhigen Wellen in meinem Geist
Am Computer
Meine Finger gleiten mühelos über die Tasten
Ich freue mich über einige unverhoffte Einfälle.
Plötzlich ertönt der Ton der Achtsamkeitsglocke
Kann ich diese Einatmung, diese Ausatmung wirklich spüren
und mir meiner Freude bewusst sein?
Tierschutzzeitschriften lesen
Spät abends sitze ich an meinem Schreibtisch und lese in den
Tierschutzzeitschriften.
Ich denke, ich bin gerade stabil genug,
um mit dem Leiden der Tiere in den Versuchslaboren und Tierfabriken
in Berührung zu kommen.
Dann sehe ich das Gesicht dieses Schweines
und spüre seine Angst und Verletzlichkeit
Eine unglaubliche Welle der Zärtlichkeit für alle leidenden Tierwesen
durchflutet mein ganzes Sein.
Gassi gehen
Natürlich ist Maxi der netteste Dackel in der Schlossstrasse 13
Wenn ich gehe, bleibt er stehen
Wenn ich nicht gehe, will er gehen.
Interessiert schnuppert er an alten, grünstichigen Steinen und Bäumen.
Ein Wagen hält an,
schon bleibt er stehen
und wartet voller Neugier... wer da wohl aussteigt.
Entzückt lasse ich ihn gewähren.
Heilen
Ich stehe im Laden.
Die Verkäuferin packt mit viel Sorgfalt ein Geschenk ein.
Ich spüre eine Welle der Ungeduld.
Ich muss doch gleich noch dies und jenes - und das auch noch - erledigen.
Plötzlich sehe ich meine Mutter:
War sie nicht manchmal ärgerlich aus dem Laden gerannt?
Ich lächle ihr zu:
"Hallo Elschen, einatmend weiß ich dass wir beide jetzt ungeduldig sind,
Ausatmend lächle ich uns beiden voller Zärtlichkeit zu."
Ertappt werden
Meine Freundin ertappt mich:
"Du hast mir gerade gar nicht zugehört!"
Ich schaue sie an und lächle ihr zu.
Der Duft des Flieders
Der Frühling lockt mich mit allen Schattierungen von Grün heraus.
zitronengrün, moosgrün, savannengrün, olivgrün...
Dann berührt ein Schwall von Fliederduft meine Nase.
Ich bleibe stehen und rieche...
Leise murmele ich vor mich hin: so viel Schönheit, so viel Schönheit,
kein Wunder, dass wir nicht sterben wollen.....
Die Fünf Achtsamkeitsübungen
Die erste Achtsamkeitsübung:
Ehrfurcht vor dem Leben Im Bewusstsein des Leidens, das durch die Zerstörung
von Leben entsteht, bin ich entschlossen, Mitgefühl und Einsicht in das
"Intersein" zu entwickeln und Wege zu erlernen, das Leben von Menschen,
Tieren, Pflanzen und unserer Erde zu schützen. Ich bin entschlossen, nicht
zu töten, es nicht zuzulassen, dass andere töten, und keine Form des Tötens
zu unterstützen, weder in der Welt noch in meinem Denken oder in meiner
Lebensweise. Im Wissen, dass schädliche Handlungen aus Ärger, Angst, Gier
und Intoleranz entstehen, die ihrerseits dualistischem und diskriminierendem
Denken entspringen, werde ich mich in Unvoreingenommenheit und Nicht-Festhalten
an Ansichten üben, um Gewalt, Fanatismus und Dogmatismus in mir selbst
und in der Welt zu transformieren.
Die
zweite Achtsamkeitsübung:
Wahres Glück Im Bewusstsein des Leidens, das durch Ausbeutung, soziale
Ungerechtigkeit, Diebstahl und Unterdrückung entsteht, bin ich entschlossen,
Großzügigkeit in meinem Denken, Reden und Handeln zu praktizieren. Ich
bin entschlossen, nicht zu stehlen und nichts zu besitzen, was anderen
zusteht. Ich werde meine Zeit, Energie und materiellen Mittel mit denen
teilen, die sie brauchen. Ich werde mich in tiefem Schauen üben, um zu
erkennen, dass das Glück und das Leiden anderer nicht getrennt sind von
meinem Glück und meinem Leiden, dass wahres Glück nur möglich ist mit
Verstehen und Mitgefühl und dass es viel Leiden und Verzweiflung bringen
kann, hinter Reichtum, Ruhm, Macht und sinnlichem Vergnügen herzujagen.
Ich bin mir bewusst, dass Glücklichsein von meiner geistigen Haltung und
nicht von äußeren Umständen abhängig ist und dass ich glücklich im gegenwärtigen
Augenblick leben kann, indem ich mich daran erinnere, dass ich bereits
mehr als genug Bedingungen habe, um glücklich zu sein. Ich bin entschlossen,
"Rechten Lebenserwerb" zu praktizieren, um so dazu beizutragen, das Leiden
der Lebewesen auf dieser Erde zu verringern und den Prozess der globalen
Erwärmung umzukehren.
Die
dritte Achtsamkeitsübung:
Wahre Liebe Im Bewusstsein des Leidens, das durch sexuelles Fehlverhalten
entsteht, bin ich entschlossen, Verantwortungsgefühl zu entwickeln und
Wege zu erlernen, die Sicherheit und Integrität von Individuen, Paaren,
Familien und der Gesellschaft zu schützen. Im Wissen, dass sexuelles Verlangen
nicht Liebe ist und dass sexuelles Handeln, das durch Begierde motiviert
ist, immer sowohl mir als auch anderen schadet, bin ich entschlossen keine
sexuelle Beziehung einzugehen, ohne wahre Liebe und die Bereitschaft zu
einer tiefen, langfristigen und verantwortlichen Bindung, von der meine
Familie und meine Freunde wissen. Ich werde alles tun, was in meiner Macht
steht, um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen und um zu verhindern,
dass Paare oder Familien durch sexuelles Fehlverhalten auseinanderbrechen.
In dem Bewusstsein, dass Körper und Geist eins sind, bin ich entschlossen,
geeignete Wege zu erlernen, um gut mit meiner sexuellen Energie umzugehen
und die vier grundlegenden Elemente wahrer Liebe - liebevolle Güte, Mitgefühl,
Freude und Unvoreingenommenheit - zu entwickeln, sodass mein eigenes Glück
und das Glück von anderen wachsen kann. Indem wir wahre Liebe üben, werden
wir auf sehr schöne Weise in die Zukunft fortbestehen.
Die
vierte Achtsamkeitsübung:
Liebevolles Sprechen und tiefes Zuhören Im Bewusstsein des Leidens, das
durch unachtsame Rede und aus der Unfähigkeit, anderen zuzuhören, entsteht,
bin ich entschlossen, liebevolles Sprechen und mitfühlendes Zuhören zu
üben, um Leiden zu lindern und Versöhnung und Frieden in mir und zwischen
anderen Menschen, ethnischen und religiösen Gruppen und Nationen zu fördern.
Im Wissen, dass Worte sowohl Glück als auch Leiden hervorrufen können,
bin ich entschlossen, wahrhaftig zu sprechen und Worte zu gebrauchen,
die Vertrauen, Freude und Hoffnung wecken. Wenn Ärger in mir aufsteigt,
bin ich entschlossen, nicht zu sprechen. Ich werde achtsames Atmen und
Gehen praktizieren, um meinen Ärger zu erkennen und tief in seine Wurzeln
zu schauen, besonders in meine falschen Wahrnehmungen und mein fehlendes
Verständnis für mein eigenes Leiden und das der anderen Person. Ich werde
in einer Weise sprechen und zuhören, die mir und dem anderen helfen kann,
Leiden zu transformieren und einen Weg aus schwierigen Situationen zu
finden. Ich bin entschlossen, keine Nachrichten zu verbreiten, wenn ich
nicht sicher bin, dass sie der Wahrheit entsprechen, und Äußerungen zu
unterlassen, die Trennung oder Uneinigkeit verursachen können. Ich werde
"Rechtes Bemühen" praktizieren, um meine Fähigkeit zu Liebe, Verstehen,
Freude und Unvoreingenommenheit zu nähren und um allmählich Ärger, Gewalt
und Angst, die tief in meinem Bewusstsein liegen, zu verwandeln.
Die
fünfte Achtsamkeitsübung:
Nahrung und Heilung Im Bewusstsein des Leidens, das durch unachtsamen
Konsum entsteht, bin ich entschlossen, auf körperliche und geistige Gesundheit
für mich selbst, meine Familie und meine Gesellschaft zu achten, indem
ich achtsames Essen, Trinken und Konsumieren praktiziere. Ich werde mich
darin üben, tief zu schauen, um meinen Konsum und meinen Umgang mit den
vier Arten von Nahrung - Essbarem, Sinneseindrücken, Willenskraft und
Bewusstsein - zu erkennen. Ich bin entschlossen, weder Alkohol noch Drogen
oder andere Dinge zu benutzen, die Gifte enthalten, wie z.B. bestimmte
Internetseiten, Glücksspiele, elektronische Spiele, Fernsehsendungen,
Filme, Zeitschriften, Bücher oder Gespräche. Ich werde mich darin üben,
zum gegenwärtigen Augenblick zurückzukommen, um mit den erfrischenden,
heilenden und nährenden Elementen in mir und um mich herum in Berührung
zu sein. So lasse ich mich weder von Bedauern und Kummer in die Vergangenheit
ziehen noch von Sorgen, Angst oder Begierden aus dem gegenwärtigen Augenblick
bringen. Ich bin entschlossen, nicht zu versuchen, Einsamkeit, Angst oder
anderes Leiden zu überdecken, indem ich mich im Konsum verliere. Ich werde
das "Intersein" tief betrachten und auf eine Weise konsumieren, die Frieden,
Freude und Wohlergehen sowohl in meinem Körper und Bewusstsein als auch
im kollektiven Körper und Bewusstsein meiner Familie, meiner Gesellschaft
und der ganzen Erde bewahrt.
Der
Friedensvertrag
Damit wir lange und glücklich zusammenleben und stetig unsere Liebe und
das Verständnis füreinander vertiefen und weiterentwickeln können, erklären
wir uns bereit, folgendes zu beachten und zu tun:
Der Friedensvertrag ist eine wertvolle Übung, die die Kommunikation und
das Zusammenleben mit unserer/m Partner/in, Freunden/innen oder der Familie
in ganz konkreter Weise im Geiste von Harmonie aufrecht erhält. Es ist
ein Vertrag, den beide Beteiligte im Beisein der Gemeinschaft oder Familie
schriftlich abschließen. Dadurch wird die Übung verbindlicher und wir
bekräftigen unsere Entschlossenheit, dass wir auch in der schwierigen
Situation eines Konfliktes ernsthaft praktizieren wollen. Auch wenn eine
Person, die mit uns in Konflikt geraten ist, diesen Vertrag nicht kennt,
können wir ihn einseitig üben.
Für den Fall, dass ich verärgert bin, stimme ich folgendem zu:
1. Ich werde alles unterlassen sei es durch Worte, Gesten oder Taten was
weiteren Schaden verursachen oder den Ärger eskalieren lassen könnte.
2. Ich werde meinen Ärger nicht unterdrücken.
3. Ich werde meinen Atem beachten und versuchen, zu meinem inneren Frieden
zurückzukehren.
4. Ruhig und innerhalb von 24 Stunden werde ich der Person, die meinen
Ärger ausgelöst hat, meinen Ärger und mein Leiden mündlich oder schriftlich
mitteilen.
5. Ich werde bei der anderen Person mündlich oder schriftlich um ein Gespräch
in einer Woche (z.B. Freitagabend) ersuchen, um den Vorfall ausführlicher
zu besprechen.
6. Ich werde nicht sagen: "Ich bin nicht ärgerlich. Ich leide nicht. Es
ist alles in Ordnung".
7. Ich nehme mit Zeit, in Ruhe und mit klarem Blick mein Leben im Alltag
zu betrachten.
Insbesondere
betrachte ich: lob ich selber ungeschickt oder nicht genügend achtsam
war. lob ich durch meine Verhaltensweisen und durch in der Vergangenheit
wurzelnde Gewohnheiten die andere Person verletzt habe. lwie meine innere
Bereitschaft für Ärger die primäre Ursache meines Ärgers ist. lwie die
andere Person ebenfalls leidet. lwie ihr Umgang mit ihrem Leiden meinen
Ärger wachsen lässt. lwie die andere Person sich von der Last ihres Leidens
zu erleichtern sucht. ldass ich nicht wirklich glücklich sein kann, solange
die andere Person leidet.
8. Ich werde mich sofort entschuldigen, ohne bis zum vereinbarten Gespräch
zu warten, wenn ich Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit bei mir bemerkt
habe.
9. Ich werde das vereinbarte Gespräch verschieben, wenn ich mich nicht
ruhig genug dafür fühle. Für den Fall, dass ich die andere Person ärgerlich
gemacht habe, stimme ich folgendem zu:
1. Ich werde die Gefühle der anderen Person achten, sie nicht verspotten
oder ins Lächerliche ziehen und ihr genügend Zeit geben, sich zu beruhigen.
2. Ich werde sie nicht zu einer sofortigen Diskussion drängen.
3. Ich werde die Anfrage der anderen Person bestätigen, sei es mündlich
oder schriftlich, und ihr versichern, dass ich da sein werde.
4. Ich werde meinen Atem beachten und versuchen, zu meinem inneren Frieden
zurückzukehren, um in Ruhe und mit klarem Blick folgendes zu betrachten:
Ich habe die innere Bereitschaft für Unfreundlichkeit und Ärger, sowie
Verhaltensmuster und Gewohnheiten, die die andere Person unglücklich machen.
lMöglicherweise habe ich versucht, die Last meines eigenen Leidens leichter
zu machen, indem ich der anderen Person Leid zufügte. lIndem ich der anderen
Person Leid zufüge, füge ich mir selber Leiden zu.
5. Wenn ich Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit bei mir erkannt habe,
werde ich mich sofort entschuldigen, ohne bis zum vereinbarten Gespräch
zu warten und ohne den Versuch zu machen, mein Verhalten zu rechtfertigen.
Unterzeichnet
am ....................................... in Anwesenheit von A:..................................................
B:........................................................
Der Neuanfang
Neuanfang
bedeutet, tief und ehrlich in uns selbst, in unsere vergangenen Taten,
Worte und Gedanken hineinzuschauen. Wir fangen in uns selbst und in unseren
Beziehungen neu an. Wir praktizieren den Neuanfang, um unseren Geist zu
reinigen und unsere Übung lebendig zu halten. Wenn in unseren Beziehungen
zu Mitpraktizierenden ein Problem auftaucht und jemand ärgerlich oder
verletzt ist, dann wissen wir, dass es Zeit für einen Neuanfang ist. Im
Folgenden wird der 4-teilige Prozess des Neuanfangs beschrieben, wie er
formal praktiziert wird. Solange eine Person an der Reihe ist, wird sie
nicht unterbrochen. Während sie redet, übt die Mitpraktizierende tiefes
Zuhören und folgen dabei ihrem Atem.
1) Blumen gießen - Wir leben mit einem uns eng verbundenen Menschen zusammen
und teilen den Alltag. Doch wie oft teilen wir dem Anderen unsere Dankbarkeit
mit, das was wir an ihm schätzen, was uns Freude gebracht hat? Jeder weiß,
wie gut ein paar positive Worte tun können, doch so häufig werden sie
in der Alltagsroutine vergessen. Hier ist nun die Gelegenheit, dem Anderen
dieses mitzuteilen. Wir gießen seine Blumen, die sichtlich schnell aufblühen
und wir wässern die Samen der positiven Qualitäten sowohl im Anderen als
auch in uns selbst.
2) Unser Bedauern ausdrücken - Wir sprechen Fehler und Ungeschicklichkeiten
in unserem Handeln, unseren Worten und Gedanken an und auch das, was wir
nicht sagten oder taten, für das wir uns noch nicht entschuldigen konnten.
Der Anderen wird deutlich, dass wir uns unserer Handlungen und ihrer Auswirkungen
bewusst sind und uns bemühen, uns zu verändern.
3) Unsere Schwierigkeiten mit den Anderen Teilen - Von Zeit zu Zeit mögen
wir Problemen begegnen, die uns für eine Weile sehr beschäftigen, seien
es Schwierigkeiten aus der Vergangenheit, Sorgen und Anteilnahme am Leben
eines uns nahestehenden Menschen, berufliche oder gesundheitliche Probleme...
All dies kann dazu beitragen, dass wir nicht besonders glücklich aussehen,
weniger ausgeglichen und unachtsam sind. Der oder die Andere können falsche
Vorstellungen von uns entwickeln, sich mitschuldig fühlen. In dem wir
uns öffnen und unsere Schwierigkeiten mitteilen, können wir sowohl zu
besserem Verständnis beitragen, als auch konkrete Hilfe und Unterstützung
geben.
4) Eine eigene Verletzung mitteilen - Wenn wir uns durch Worte oder Taten
der Anderen verletzt fühlen, können wir uns hier in diesem ruhigen und
sicheren Rahmen mitteile. Wir tun dies allerdings erst, nachdem wir nach
der Verletzung wieder zur Ruhe gekommen sind. Bevor wir uns in Rahmen
des Neuanfangs aussprechen ist es sehr wichtig, die Blumen der Anderen
wenigstens zweimal zu gießen, um in uns selbst eine positive Haltung zu
erzeugen und der Anderen zu zeigen, dass wir sie sehr schätzen. Wenn wir
sprechen sind wir ruhig und wählen liebevolle Worte. Die Andere hört nur
zu, ohne zu reagieren oder zu verurteilen, auch wenn das, was die Person
sagt auf einer falschen Wahrnehmung beruht. Bei schwierigen Problemen
können wir einen weiteren Zeitpunkt vereinbaren, an dem dann die Andere
spricht. In der Zwischenzeit werden beide tiefer in sich schauen.
Die
Praxis des Neuanfangs hilft uns, unsere liebevolle Rede und unser mitfühlendes
Zuhören zu entwickeln und die positiven Elemente bei der anderen Person
zu bemerken und wertzuschätzen. Wir könnten beispielsweise feststellen,
dass die andere Person großzügig darin ist, ihre Einsichten mitzuteilen,
oder wir bemerken, dass ein Dharma-freund Pflanzen liebt. Indem wir die
guten Eigenschaften der Anderen erkennen, sind wir in der Lage auch unsere
eigenen Qualitäten zu sehen. Neben diesen guten Seiten haben wir alle
auch Schwächen, wie z.B. das Sprechen aus unserem Ärger heraus oder das
Gefangensein in unseren Fehlwahrnehmungen. Wenn wir das "Blumen gießen"
üben, unterstützen wir uns gegenseitig in der Entwicklung unserer guten
Eigenschaften. Zur gleichen Zeit helfen wir, die schwierigen Seiten der
anderen Person abzuschwächen. Wie in einem Garten entziehen wir dem Unkraut
des Ärgers, der Eifersucht und der Fehlwahrnehmung die Energie. Wir können
den Neuanfang jeden Tag üben, indem wir unsere Wertschätzung für unsere
Mitpraktizierenden ausdrücken und uns auf der Stelle entschuldigen, wenn
wir etwas tun oder sagen, das sie verletzt. Wenn wir es waren, die verletzt
worden sind, können wir das anderen ebenso freundlich mitteilen. Die Gesundheit
und das Glück der ganzen Gemeinschaft hängen von der Harmonie, dem Frieden
und der Freude zwischen den einzelnen Menschen ab.
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